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der Freiwilligen Feuerwehr Horath |
Im Jahre 1898 wurden einige Horather Familien von einer Brandkatastrophe heimgesucht. Eine ganze Häuserzeile unterhalb der Kirchgasse an der Hochwaldstraße brannte nieder. Der Chronist berichtet:
Am 08.09.1898 wurde Horath von einem Brandunglück heimgesucht, wie es seit Menschengedenken im ganzen Kreise nicht der Fall gewesen ist. Gegen 5:00 Uhr nachmittags kam der Knecht des Bierbrauers Wagner aus Bernkastel, der Bier in mein Kosthaus, Gastwirtschaft Johann Klein, gebracht hatte und gerade im Begriff war fortzufahren in die Stube gelaufen mit dem Rufe: „Lauft einmal heraus!“
Eine starke Rauchsäule stieg aus der Scheune des Mattias Wirz-Schmitt. Alle Bewohner waren mit der Grummeternte beschäftigt und meistens auf den entferntesten Wiesen. Ich läutete abends die Sturmglocke in der Kirche. Es half Mattias Nehren jr. Inzwischen schlug die Flamme aus den im Giebel befindlichen Löschern des Scheunentores. Die wenigen Männer, die jetzt erschienen waren, nahmen sogleich die Feuerspritze, die sie erst seit einem Jahr im Besitz hatten. Es war wenig damit anzufangen, da nicht genug Wasser herbeigeschafft werden konnte. Die Häuser oberhalb und unterhalb der brennenden Scheune waren zusammengebaut, meist aus Holz und Lehm gebaut. Daher war vorauszusehen, dass die ganze Reihe ein Raub der Flammen werde.
Die erste Sorge der Anwesenden war, die Tiere in Sicherheit zu bringen. Danach versuchte man die wichtigsten Hausgeräte zu retten. Aber in der großen Erregung und durch die Unkenntnis in den Häusern, die vielfach mit Gewalt geöffnet werden mussten, da die Eigentümer mit ihren Familien auswärts waren, griffen wir oft nach minderwertigen Dingen. Einem Manne, Peter Steffes, sind die Aktenstücke und das Geld verbrannt.
Wer beschreibt das Durcheinander und Schreien und Wimmern der unglücklichen Eltern und Kinder, als sie auf der Horather Höhe ankamen und alle Habe einem jähen Untergange zueilen sahen. Die meisten schienen vor Müdigkeit und Schrecken an allen Gliedern gerädert. Desto eifriger arbeiteten die nicht vom Unglück heimgesuchten. Man schüttete sogar Jauche in die Feuerspritze.
Auch die Bewohner von Haag, Merschbach, Gräfendhron, Berglicht und Papiermühle waren inzwischen herbeigeeilt mit ihren Feuerspritzen. Schrecklich war die Hitze! In der Nähe des Feuers konnte man sich nicht aufhalten. Spritzen wäre schon unnötige Mühe gewesen. Bis zu meinem Kosthaus, das noch ziemlich weit vom Brandherd entfernt war, wurden die Habseligkeiten ins Freie oder in die Kellerräume geschafft.
Nachdem das Feuer drei Stunden gewütet hatte, brach der Abend herein. Die „großartige“, schreckliche Beleuchtung gewann durch die Dunkelheit und durch das Funkensprühen nach allen Seiten einen geradezu grauenerregenden Anblick. Es schien, als ob das verheerende Element den ganzen Ort zum Opfern fordere. Den vereinten Kräften der anwesenden Menschen gelang es endlich, die benachbarten Häuser zu retten. Die brennenden Wohnungen stürzten nach und nach zusammen. Es war auch höchste Zeit, denn das Wasser fing an spärlich zu werden. Der Knabe Johann Schmitt, Sohn des Schusters Josef Schmitt, der seit Ostern die Schule besuchte, war während des Brandes in die Stube gesperrt. Das Haus stand noch ziemlich von der Brandstätte weg. Er nahm den Schusterhammer, zerschlug das Fenster und nahm in seinem kindlichen Sinne zuerst seine Schulgeräte ins Freie. Dann nahm der Kleine diejenigen Dinge, die er gut fortschaffen konnte und trug sie hinaus. Gegen 09:00 Uhr bis 10:00 Uhr war es ruhig geworden.
Es waren folgende Familien beim Brandunglück getroffen wurden: Johann Grewer, Peter Bohr, Niklaus Mettler, Peter Steffes, Peter Tresch und Matthias Wirz-Schmitt. Um 12:00 Uhr erschien Bürgermeister Lauer von Neumagen und es galt, Sorge zu tragen, die Familien und die Tiere in Unterkunft zu bringen. Peter Jörg und Steffes nahmen Wohnsitz im Schulgebäude, die übrigen wurden, so gut es eben ging, in anderen Häusern untergebracht. Es wurden die bestimmt, die an der Brandstätte wachen mussten, um bei dem immer noch qualmenden Trümmerhaufen weiteres Unglück zu verhüten. Für diese, auch Gräfendhroner und Haager, wurde von Klein ein Imbiss verabreicht, welcher aus der Gemeindekasse im Betrag von 12,00 Mark bezahlt wurde.
Um die größte Not zu steuern schrieb der Herr Bürgermeister an die Bürgermeistereien Monzel, Mühlheim, Morbach, Thalfang und Bescheid um schleunige Hilfe. In einem Aufrufe durch 16 große Zeitungen wurde die Nachricht von dem schrecklichen Ereignisse rasch weiterhin verbreitet.
Zugleich erstattete derselbe dem Herrn Landrat Rintelen von Bernkastel Anzeige. Am Morgen empfanden die Heimatlosen erst recht, wie schwer das Schicksal sie getroffen hatte. Kinder und Eltern standen weinend vor ihrer in Asche liegenden Habe. Gegen 10:00 Uhr vormittags fand ein Verhör statt, wobei Johann Wirz im Alter von 13 Jahren, sein Bruder Nikolaus im Alter von 10 Jahren, Matth. Nehren, der Ortsvorsteher M. Bastian und ich vernommen wurden über die Ursache der Entstehung des Brandes, da dieselben beim Ausbruch zugegen waren. Am Nachmittag kam der Herr Landrat, um die Situation in Augenschein zu nehmen und brachte aus der Provinzialkasse ein Almosen von 300 Mark mit, welche er nach dem Bedürfnisse auf 9 Teile verteilte. Von den Nachbarorten kamen Futter, Kleider, Lebensmittel und Geld. Nach einigen Wochen konnten 1.345 Mark Almosen verausgabt werden, wobei M. Wirz mit 70 Mark und Peter Jörg mit 150 Mark als die Wohlhabenderene abgefunden wurden. Das einzig tröstliche war, dass die Häuser sämtlich, wenn auch zum Teil niedrig, versichert waren.
Als der erste Schrecken verronnen war, gingen allerlei Gerüchte über die Entstehung des Feuers im Ort herum. Derartige Reden drangen sogar nach Neumagen in den Gerichtsaal. Ungefähr 3 Wochen später erschien der Gerichtsassessor aus Neumagen und hielt ein strenges Verhör, wobei die Söhne des Johann Wirz-Felten, die genannten Joh. und Nikolaus Wirz, als der unbeabsichtigten Brandstiftung schuldig erkannt wurden. Direkte Beweise aber fehlten. Die Sache wurde darauf dem Landgericht Trier übergeben. Nach einem neuen Verhör zu Horath durch den Untersuchungsrichter aus Trier, wobei 48 Zeugen vernommen wurden, wurde, da direkter Beweis fehlte, der Schüler Johann Wirz freigesprochen.
Während dieser Zeit waren wieder 250 Mark für die Brandgeschädigten eingegangen. Der Herr Definitor Pfr. Alles, der nebenbei bemerkt am 7.6.1898 Dechant des Dekanates Bischofsdhron geworden war, befand sich infolge einer amtl. Reise an den Horather Unglückstagen in Schönberg. Als er ankam, lagen die Häuser in Trümmern.
Horath, den 18.9.1898
Becker, Lehrer